Katholische Studenten fordern mehr Einsatz für Religionsfreiheit


Verfasst am 16. Januar 2017

Religion ist modern. Religion nimmt neue Entwicklungen auf, gestaltet sie mit. Sie gibt Halt und Orientierung. Sie stellt einen sicheren Wert in einer immer unübersichtlicher werdenden Welt dar. Dass Menschen ihren Glauben leben, ihr Bekenntnis gegenüber anderen in der Öffentlichkeit vertreten und ihre Religion wechseln können, ist aber nicht überall auf der Welt gewährleistet. Im Gegenteil scheint es seit geraumer Zeit, dass die Einschränkungen und Verletzungen des universellen Menschenrechts auf Religionsfreiheit in unserer heutigen Welt eher zunehmen. Staatliche Institutionen, gesellschaftliche Interessengruppen und religiösen Fundamentalisten weltweit zeichnen dafür verantwortlich.

In der im Jahre 1948 ratifizierten Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die von jedem UN-Mitglied anerkannt wird, heißt es in Artikel 18: „Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.“

Die katholischen Studentenverbände sind überzeugt, dass Gott alle Menschen mit einer unauslöschlichen und unantastbaren Würde ausgezeichnet hat. In ihr gründet das Recht eines jeden Menschen, die religiöse Wahrheit zu suchen und zu bekennen. Wer den Menschen dieses Recht bestreitet, stellt sich gegen Gott selbst. Es ist von ungeahnter Bedeutung, dass wir uns im privaten Alltag ebenso wie in der Innen- und Außenpolitik einsetzen für alle Menschen, die aufgrund ihres friedlich praktizierten Glaubens diskriminiert, bedrängt und verfolgt werden.

Dies bedeutet neben der Gewährleistung der Religionsfreiheit im eigenen Land, dass im Rahmen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und einer wertegeleiteten  Außenpolitik stets selbstbewusst die Gewährleistung von Religionsfreiheit eingefordert werden muss – unabhängig von ökonomischen Interessen.

Als katholische Studentenverbände betonen wir, dass dem Einsatz für Religionsfreiheit eine über die Frage des Individuums hinausgehende Bedeutung innewohnt. Nur dort, wo jeder Einzelne seinen Glauben frei leben kann, ist auch die Gesellschaft frei. Dieser Aspekt der Religionsfreiheit ist nicht zu unterschätzen. Die Gewährleistung des Rechts auf Religionsfreiheit stellt einen wesentlichen Indikator für eine pluralistisch- demokratisch aufgebaute Gesellschaftsordnung dar. Wo freie Religionsausübung nicht möglich ist, sind zumeist auch andere Grundrechte – etwa die Meinungsfreiheit, die Versammlungsfreiheit und die Pressefreiheit – nicht vollumfänglich garantiert.

Jede freie und demokratische Gesellschaft ist als solche nur dann glaubwürdig, wenn sie das Recht auf Religionsfreiheit konsequent einfordert und durchsetzt. Eine Demokratie kann nur funktionieren, wenn die Religionsfreiheit schrankenlos gewährt ist. Vor diesem Hintergrund muss es alarmieren, dass mehr als 70 Prozent der Weltbevölkerung in Ländern lebt, in denen das Menschenrecht auf Religionsfreiheit stark oder sogar sehr stark eingeschränkt wird.

Die katholischen Studentenverbände fühlen sich verfolgten Christen in besondere Weise verbunden und zur Solidarität verpflichtet. Wir beklagen, dass gerade in der öffentlichen Debatte in Deutschland und Europa – unserer christlich geprägten Heimat – die weltweit besorgniserregend wachsende Diskriminierung, Bedrängnis und gewalttätige Verfolgung und Vertreibung von Christen weitgehend ausgeblendet wird. Nach dem jüngst veröffentlichten Weltverfolgungsindex 2017 des überkonfessionellen christlichen Hilfswerks Open Doors werden weit mehr als 200 Millionen Christen aufgrund ihres Glaubens diskriminiert oder verfolgt – mit steigender Tendenz. Demnach handelt es sich bei den Christen um die bei weitem größte verfolgte Religionsgemeinschaft der Erde. Besonders im Nahen und Mittleren Osten und in Afrika, aber zunehmend auch in Südostasien, nehmen Vertreibungen und Gewalt gegen Christen zu. Unter den Top 50 der von Open Doors zu Jahresbeginn veröffentlichten Liste finden sich überwiegend Staaten mit islamischer Mehrheitsbevölkerung. Neben gescheiterten Staaten und totalitären Diktaturen findet sich auf Platz 15 auch das demokratisch regierte, mehrheitlich hinduistische Indien („ständige Bedrohung) und auf Platz 37 noch vor China der EU-Beitrittskandidat Türkei („Gefährdung“).

Wer sich zur Religionsfreiheit als universellem Menschenrecht bekennt – die Vereinten Nationen, der Europarat, die Europäische Union und die Bundesrepublik Deutschland, der ist gefordert sich aktiv einzusetzen für den Schutz und die Freiheit der Christen in aller Welt. Wer sonst als die christlich geprägten Gesellschaften Europas soll Anwalt sein für die Interessen christlicher Minderheiten.

„Deshalb wollen wir, solange wir noch Zeit haben, allen Menschen Gutes tun, besonders aber denen, die mit uns im Glauben verbunden sind (Gal 6,10).“

Auch bei uns in Deutschland kommt es zu einer schleichenden Polarisierung der
Gesellschaft – insbesondere im Zusammenhang mit der starken Zuwanderung durch die Flüchtlingskrise in den vergangenen beiden Jahren, die zu einer zunehmend multireligiösen Bevölkerung führt. Aufgrund von religiös oder pseudoreligiös begründeter Gewalt und Übergriffen kommt es zu wachsendem Argwohn sowohl zwischen den Religionsgemeinschaften als auch gegenüber Religion und Religionsausübung als solcher.

Schändungen von Gotteshäusern, religiös oder pseudoreligiös motivierte Übergriffe und ebenso niedergebrannte Flüchtlingsunterkünfte und Fremdenhass sind unerträglich. In Deutschland darf es weder Orte religiösen noch ethnischen Hasses geben.

Wir dürfen bei der Auseinandersetzung mit der Flüchtlingskrise auch nicht die Situation der nach Deutschland geflüchteten Christen aus dem Nahen und Mittleren Osten aus den Augen verlieren. Diese Menschen wichen der Unterdrückung und Gewalt durch fundamentalistisch-islamische Regierungen oder Milizen und Terroristen in ihrer Heimat. Sie kamen voller Hoffnung in unser Land. Sie sollen hier endlich ihr christliches Bekenntnis frei ausüben können – jederzeit und überall. Religiös, pseudoreligiös oder auch ethnisch motivierte Übergriffe und Diskriminierungen – in jedem Einzelfall – müssen konsequent mit der Härte des Gesetzes geahndet werden. Intoleranz und Respektlosigkeit gegen Andersdenkende und Andersgläubige darf bei uns keinen Platz haben – egal von welcher Seite er ausgeht, ob in der Flüchtlingsunterkunft oder im öffentlichen Raum. Jeder hat bei uns das Recht, seine Religion friedlich auszuüben.

Mit der Aktion „Christen in Not“ zur Rettung verfolgter Christen insbesondere aus dem Nahen Osten, die sich auch der Integration von Flüchtlingen in Deutschland widmet, leistet der Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) bereits einen wichtigen Beitrag. Ebenso unterstützt mit dem Unitas-3 Verband ein weiterer Mitgliedsverband der AGV durch einen Hilfsfonds christliche Studenten aus dem Nahen Osten. In der für sie oft schwierigen Zeit bis zur erlaubten Aufnahme einer Arbeit soll auf
direkte Notlagen reagiert werden - etwa durch Mietbeihilfen, Studienmaterial und
Gebühren, aber auch durch die praktische Begleitung im Alltag.

Bonn, 16. Januar 2017

 

Über die AGV

Die Arbeitsgemeinschaft katholischer Studentenverbände (AGV) e.V. ist ein
Zusammenschluss der katholischen Korporationsverbände CV, KV, UV, RKDB und TCV. Sie repräsentiert rund 10 000 Studentinnen und Studenten und ist über ihre Mitgliedsverbände an fast allen Hochschulen in Deutschland vertreten.

 

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Die AGV setzt sich aus den fünf katholischen Studentenverbänden CV, KV, UV, RKDB und TCV zusammen und bildet damit den größten Zusammenschluss katholischer Studenten in Deutschland.
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