Gedenken an Władysław Bartoszewski

27. April 2015

Mit großer Trauer hat die Arbeitsgemeinschaft katholischer Studentenverbände (AGV) vom Tode des ehemaligen polnischen Außenministers und Beauftragten für die deutsch-polnischen Beziehungen, Władysław Bartoszewski, erfahren.

Dankbar erinnert sie sich an die Jahre von 1986 – 1989, in denen er als Mitglied des „AGV-Arbeitskreises Menschenrechte“ mit seinem Rat und Vorträgen wichtige Impulse für die Initiativen der katholischen Studentenverbände gegeben hat. Der Arbeitskreis Menschenrechte hat sich in diesen Jahren vor allem mit Menschenrechtsverletzungen im Machtbereich der damaligen Sowjetunion befasst.
Der gläubige Katholik Bartoszewski kämpfte im polnischen Widerstand und wurde 1940 ins KZ Auschwitz verschleppt. So wie er im Zweiten Weltkrieg in der Widerstandsbewegung aktiv war, engagierte er sich nach 1945 in der polnischen Demokratiebewegung. In den Folgejahren verbrachte er über sechs Jahre im Gefängnis. 1955 wurde er rehabilitiert und konnte als Historiker und Publizist arbeiten. Er war einer der Wegbereiter der deutsch-polnischen Aussöhnung, suchte schon früh den Dialog mit Deutschland. Der Mann, der die Würde des Menschen durch zwei Diktaturen verletzt sah, setzte in seiner politischen Arbeit und Philosophie vor allem auf den Gedanken der Menschlichkeit.
Nach der Verhängung des Kriegsrechts in Polen wurde Bartoszewski 1981 erneut inhaftiert. Dank der Hilfe einer befreundeten Familie konnte er befreit werden. In den Folgejahren lebte er überwiegend in Deutschland und war unter anderem Gastprofessor an der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Katholischen Universität Eichstätt und der Universität Augsburg. In dieser Zeit unterstützte er auch die Arbeit der AGV.
Die politische Wende des Jahres 1989 brachte für Bartoszewski den Wandel vom Dissidenten zum Entscheidungsträger. Zwei Mal war er Außenminister, in den vergangenen Jahren Berater des Regierungschefs für den deutsch-polnischen Dialog. Bartoszewski erhielt für sein lebenslanges Engagement zahlreiche internationale Auszeichnungen, unter anderem das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik und den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Als „Gerechter unter den Völkern“ wurde er von Israel mit der größten Ehrung ausgezeichnet, die das Land zu vergeben hat.
Die Arbeitsgemeinschaft katholischer Studentenverbände wird Władysław Bartoszewski ein ehrendes Gedenken bewahren und sich – seinem Vorbild entsprechend – weiter für Menschenrechte und Menschenwürde einsetzten. Wir werden ihn nicht vergessen. RIP.

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